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2022

Elektromobilität im Massenmarkt geht anders

Gastbeitrag von Dr. Guido Weißmann, Bastian Ritter und Simone Lang, Kompetenzstelle Elektromobilität bei Bayern Innovativ

Die Elektromobilität ist auf dem Weg zum Massenmarkt. Das zeigt sich nicht mehr nur an den reinen Absatzahlen, wonach laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) Batteriefahrzeuge (BEV) 2019 noch weniger als 2% der Neuzulassungen ausmachten und der Anteil heute bereits bei fast 15% liegt. Das „E" am Nummernschild gehört mittlerweile vielmehr zum gewohnten Straßenbild.

Im Vergleich zu diesem stark wachsenden E-Fahrzeugbestand scheint der Zubau von öffentlich zugänglichen Ladepunkten hinterher zu hinken. So mussten sich im Jahre 2020 statistisch nur sieben E-Autos einen öffentlich zugänglichen Ladepunkt teilen, Anfang 2022 waren das bereits rund 20 Fahrzeuge.

Allerdings macht insbesondere das heimische Laden die Elektromobilität unschlagbar komfortabel. Daher ist es nicht verwunderlich, dass es durch die einschlägigen Förderprogramme mittlerweile vergleichbar viele Wallboxen in eigenen Garagen wie Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen gibt. Dennoch kann der private Stromzugang die öffentlich zugängliche Ladesäule nicht ersetzen. Untersuchungen zeigen, dass zwar noch die meisten Ladevorgänge für die Alltagsmobilität zu Hause erfolgen, aber bereits rund die Hälfte des insgesamt benötigten Fahrstroms über öffentlich zugängliche Ladepunkte gedeckt wird. Dazu zählen insbesondere auch die zahlreichen Schnelllader an Autobahnen und zentralen Verkehrsknotenpunkten.

Bewusstes Umdenken erforderlich
Mit dem Einstieg in die Massen-Elektromobilität wird der Bedarf an öffentlich zugänglichen Ladepunkten weiter extrem zunehmen. Denn der „Massenmarkt" hat nicht zwingend eine private Wallbox, oftmals nicht einmal einen eigenen Parkplatz. Bei näherer Betrachtung zeigt sich hier, dass wir vor einer neuen Herausforderung stehen, die ein bewusstes Umdenken erfordert. Denn die heutigen E-Autofahrenden sind meist so genannte „First Mover", also Vorreitende, Idealistinnen und Idealisten mit Technologiebegeisterung und oftmals höherer Kaufkraft. Aspekte, wie „eigene PV-Stromerzeugung", „Haus-Energiemanagement", „bi-direktionales Laden" und „Strom-Autarkie" gewinnen zunehmend an Bedeutung. Sicherlich sinnvolle Argumente der Elektromobilität, die der Umwelt dienen, die Stromnetze entlasten und Kosten sparen können. Andererseits setzen diese Aspekte auch Raum, Wissen und Investitionen voraus - Voraussetzungen, die der typischen Familie in einer Mehrparteienhaus ohne eigenen Stellplatz oftmals nicht zur Verfügung stehen. Während sich also die bisherigen E-Autofahrenden für die fantastischen Möglichkeiten der Elektromobilität begeistern, wissen die künftigen E-Autonutzenden noch nicht genau, wie und wo sie ihren täglichen Ladebedarf decken sollen. Der öffentlich zugängliche Ladepunkt gewinnt damit ganz entscheidend an Bedeutung: Noch Anfang 2021 konnte die Bayerische Kompetenzstelle Elektromobilität lediglich rund 100.000 öffentliche Ladevorgänge pro Monat in Bayern verzeichnen; bereits am Jahresende waren es über 250.000.

Der Ladelücke mit wirksamem Mitteln entgegenwirken
Da der Bestand an E-Fahrzeugen stark zunimmt, der Ausbau an öffentlichen Ladepunkten aber eher noch linear steigt, zeichnet sich schon heute eine Ladelücke ab. Vor diesem Hintergrund investiert der Freistaat Bayern - zusätzlich zu den Bundesprogrammen - in erheblichem Umfang eigene Mittel, um den Weg der Elektromobilität in den Massenmarkt nicht durch einen „Ladenotstand" zu torpedieren.

Vielmehr orientiert man sich an konkreten Mobilitätsbedarfen und relevanten Branchen. So hat beispielsweise das Sonderprogramm „Tourismus in Bayern – fit für die Zukunft" des Bayerischen Wirtschaftsministeriums bereits dazu geführt, dass zahlreiche Beherbergungsbetriebe oder Campingplätze mittlerweile Lademöglichkeiten anbieten können.

Das Förderprogramm für öffentlich zugängliche Ladepunkte wird ebenfalls fortgesetzt, darüber hinaus sind weitere finanzielle und thematische Maßnahmen in Diskussion.

Das Bayerische E-Rezept und seine Wirkung
Dennoch zeigt die Alltagserfahrung der Kompetenzstelle Elektromobilität bei Bayern Innovativ, dass es in der breiten Bevölkerung noch einen enormen Informationsbedarf rund um die Elektromobilität gibt.

Hier hat sich die Wanderausstellung Elektromobilität bewährt, mit der die Kompetenzstelle Elektromobilität bayerischen Kommunen und öffentlichen Einrichtungen spielerisch die Mobilität von morgen verständlich machen will. Nach einer erfolgreichen ersten Laufzeit ist die aktuelle Wanderausstellung seit Ende 2021 mit neuen Modulen in Bayern unterwegs, die den Massenmarkt berücksichtigen und den Mensch und seine Bedarfe stärker in den Fokus rücken.

Das Bayerische „E-Rezept" aus Sensibilisierung, Kommunikation, Beratung, Begeisterung und Förderung auf allen Ebenen geht auf: Der Freistaat nimmt mittlerweile deutschlandweit eine Spitzenposition im Bereich Ladeinfrastruktur bzw. Elektromobilität ein. Doch der Wettbewerb ist hart, da auch andere Bundesländer das Thema massiv und engagiert voran treiben. Von diesem Wetteifern profitiert die Umwelt – denn letztlich geht es um Nachhaltigkeit im Verkehr und das Erreichen der gemeinsamen Emissionsziele.

Weitere Informationen:
Kompetenzstelle Elektromobilität
Die Kompetenzstelle Elektromobilität ist zentraler Ansprechpartner für Kommunen, Unternehmen und staatliche Stellen für aktuelle Herausforderungen der Elektromobilität. Die bei Bayern Innovativ angesiedelte Kompetenzstelle Elektromobilität begleitet den Markthochlauf der Elektromobilität zum Massenmarkt. Sie unterstützt Unternehmen, kommunale Einrichtungen und Vertreter aus Politik und Verwaltung als Innovationsmoderator, als zentrale Informationsdrehscheibe und als Berater, Technologiescout und Projektpartner.

https://www.bayern-innovativ.de/kompetenzstelle-elektromobilitaet-bayern
https://www.bayern-innovativ.de/seite/wanderausstellung

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